Die hitzige Diskussion um die Einführung von Umweltzonen zeigt, wieviel Emotion mobilisiert wird, wenn es um uns und unsere geliebten Autos geht. Die Feinstaubdiskussion in Graz wird schon seit Jahren ähnlich geführt wie die Rauchverbotsdiskussion in Österreich. “Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass….. ”
Für Gesundheit wird zwar so viel Geld wie nie zuvor ausgegeben, aber wirklich wichtig ist sie uns nicht. Wir können dafür doch nicht gar auf etwas verzichten, nicht einmal auf jene Fahrzeuge, die besonders stark zur Luftvergiftung beitragen (wir reden übrigens längst nicht mehr vom Feinstaub alleine – auch von zu viel Kohlenstoffdioxyd in der Luft). Viel eher verzichtbar erscheint so ein bisschen Luft zum Atmen für uns und vielleicht noch ein paar andere…..
Bitte keine Einschränkungen - mit freiwilligen Anreizen seien die Menschen doch besser zum Umstieg zu bewegen und würden schon – irgendwann – umweltverträglich agieren.
Irgendwann werden wir unseren Kindern gegenüber argumentieren müssen, wie wichtig ihre Gesundheit und ihre Umwelt uns war….
Ja, ja jetzt ist sie so moralisch die Rücker….. Ja! Es geht um die Grundsatzfrage: Wieviel wollen wir uns selbst zumuten, damit wir unseren Kindern und Menschen in ärmeren Regionen der Welt weniger zumuten, als wir es schon jetzt tun? Das ist doch eine Frage, auf die es eine Antwort geben muss!
Ja. Die Umweltzone alleine wird uns nicht retten, aber sie ist ein Teil eines Gesamtpaketes, um das wir nicht herumkommen. Ausbau und Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs, Stärkung des Rad- und Fussverkehr, offensive Heizungsumstellungen (noch nie wurde so viel in diesem Bereich gefördert wie derzeit!) und nicht zuletzt: endlich gibt es eine regional abgestimmte Verkehrsplanung (S-Bahnausbau für einen Umstieg der PendlerInnen, Stadtgrenzenüberschreitende Kooperationen mit den Gemeinden bei Busangeboten…) !
Das alles und mehr ist notwendig und nun eben auch die möglichst schnelle Umstellung der Nutzfahrzeuge und Privatfahrzeuge auf neuere Technik. Die Umstellung auf Menschen- und Umweltverträglichere Verhaltensweisen passiert nicht von alleine – sie braucht politischen Mut und gesetzliche Vorgaben und somit die eine oder andere Einschränkung für die persönliche Freiheit. Wie weit geht die eigene Freiheit eigentlich?
Bei allem Austausch von Studien und Horrorzahlen (die aktuell kolportierten schau ich mir mit Sicherheit näher an!) – Niemand hat mir bisher vergleichbare Maßnahmen erklärt, mit welchen wir tatsächlich weiterkommen - ohne beim Verkehr eben auch anzusetzen. Darum kommen wir nicht herum. Es kann ja nicht sein, dass in Deutschland niemand nachgedacht hat vor der Einführung der Umweltzone – heute sind es über 40 Städte – und keine ist wieder davon abgegangen. Ganz im Gegenteil – diverse Gerichtsverfahren haben sie bestätigt. Und keine einzige Stadt berichtet von auch nur annähernd so massiven Wirtschaftseinbrüchen, wie sie uns derzeit vorgerechnet werden – wo endet die Vernunft und wo beginnt der Horror?
Ich hab mal schnell im EmiKat95 nachgelesen, der Studie zur Umweltbelastung in Graz:
23% der Emissionen sind auf den Verkehr zurückzuführen, 64% auf Hausbrand und 13% auf Wirtschaftsbetriebe (angesichts des lächerlichen Anteils an Fertigungsbetrieben gar nicht so wenig).
Was wird “verändert” – der Verkehr.
Um eines vorauszuschicken: Ich bin zu 90% Radfahrer, nicht auf ein Auto angewiesen.
Es ist geradezu grotesk eine Massnahme zu ergreifen, bei der es völlig absehbar ist, dass sie nichts verändern wird und das dann als “Kampf für unsere Kinder” verkaufen zu wollen.
Natürlich wäre es unpopulär verpflichtende Filteranlagen für alte Heizanlagen einzufordern. Aber es wäre zur Abwechslung mal ein Schritt der zwar nicht populistisch aber wirkungsvoll ist. Und noch mal: Diese Forderung würde auch mich treffen. Aber wenn ich schon zahlen soll, dann doch lieber sinnvoll.
Sollten sie tatsächlich an eine hohe Wirksamkeit von Umweltzonen glauben, dann reden Sie mal mit einem Techniker der AVL unter welchen Bedingungen die “tollen geringen” Emmisionen eines neuen Autos erreicht werden. Wenn sie lediglich die Autoindustrie fördern wollen dann deklarieren sie es doch einfach so. Und bitte verkaufen sie uns nicht für blöd.
Zu dem ganzen Thema möchte ich eins sagen: Grundsätzlich ist die Thematik Feinstaub auf jeden Fall eine zu lösende, keine Frage. Nur wie das in diesem Falle angegangen wird, ist wieder einmal typisch “grün” und entbehrt jeglicher wissenschaftlicher, ökonomischer und sozialer Grundlage.
Genau das ist auch der Grund, warum die Österreicher den Grünen eine immer geringere politische Kompetenz zutrauen, obwohl der generelle Meinungstrend immer mehr Richtung grün, biologisch, ökologisch und nachhaltig geht.
Man kann halt nicht immer alles durch eine linke grüne Brille betrachten, sondern muß Dinge ganzheitlich und im jeweiligen Kontext ansehen und lösen und sich auch mal die Mühe machen, Experten ins Boot zu holen und nicht zu glauben, selbst die Weisheit mit dem Löffel „gefressen“ zu haben, wie der Volksmund so schön sagt. Meine persönlich Einstellung ist äußerst grün, bio und nachhaltig, aber mir fiele es nicht im Traum ein, jemals grün zu wählen. Und ich denke, es geht sehr vielen gleich.
Bezüglich Umweltzonen möchte ich nur sagen, daß es nichts bringen wird, einzelne Bezirke für gewisse Autotypen zu sperren, denn entweder „sch….“ die Leute sowieso darauf (kann sogar ich mir vorstellen) oder umfahren diese Bereiche, was mit Sicherheit nicht den Verkehr und den Schadstoffausstoß verringern wird.
Und zu glauben, alle die mit Fahrverboten belegt werden – und das auch für Autotypen, für die vor noch kurzer Zeit Umweltförderungen vergeben wurden – , werden sich jetzt ein neues, noch grüneres Auto zulegen, ist wieder mal typisch blauäugig grün gedacht. Es trifft sowieso wieder die sozial Schwächsten und stellt generell einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden nur aufgrund des Wertverlusts der betroffenen Autos dar (vielleicht sollten sie auch mal diese Studien durchlesen).
Ein weit sinnvoller Weg wäre es, betroffene Autotypen mit Katalysatoren auszustatten und entsprechende Förderungen zu vergeben. Bei ca. 700 € Umbaukosten und einer Förderung von 400 € (wie es das im Übrigen schon mal gegeben hat) würden wohl die meisten ihr Auto aufrüsten und es würde zu keine Wertverlust kommen, sozial schlechter Gestellte könnten sich das wohl eher leisten, als ein neues Auto.
Außerdem finde ich es generell wieder einmal typisch, immer alles auf die Autofahrer zu schieben, die nur einen Teil des Feinstaubs mit ihren Motoren produzieren – ohne Autoverkehr gebe es wohl auch keine Wirtschaft, keine Steuereinkünfte und somit niemanden, der ihr Gehalt zahlt -als Politiker sollte man generell nie aus den Augen verlieren, wer die oft viel zu hohen Gehälter eigentlich bezahlt. Und wenn man sich mal in der Winterzeit die Straßen in Graz anschaut – und zwar wenn grad mal kein Schnee liegt und es trocken ist – dann würde man auch sehr schnell einen weitern Verursacher von Feinstaub finden – nämlich die von der Split- und Salzstreuung verdreckten Straßen.
Es gebe generell viele Punkte, wo angesetzt werden könnte, es aus Mangel an Fachwissen aber nicht getan wird. Sie als eine der führenden Politiker von Graz sollten sich um eine bessere Lösung für ihre Menschen bemühen und sich von ihren linken grünen Parteizwängen lösen.
zu beginn oute ich mich in zweifacher weise: erstens bin ich seit fast 30 jahren begeisterte autofahrerin (hat für mich tatsächlich erholungswert) und zweitens ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich schönen autos hinterher schaue (bewundere auch die vielen geländegängigen fahrzeuge mit G – nummer). soweit zu meinem gefühlsmäßigen zugang zum thema “auto”.
vermiest hat mir vor etlichen jahren mein verstand diese unbeschwertheit in bezug auf die schier unbegrenzte individualmobilätät, die in unseren gegenden schon fast an ein menschenrecht grenzt. mit welcher selbstverständlichkeit und welchem recht (zufall der geburt in der westl. welt?) vergeuden wir rohstoffe, die jahrmillionen für ihre entstehung gebraucht haben in wenigen jahrzehnten und entziehen sie so der nutzung künftiger generationen? damit nicht genug schädigen wir unsere umwelt nachhaltig für diese generationen und leben schon heute auf kosten der menschen in “unterentwickelten” weltgegenden. bisher konnte mir diese frage noch niemand beantworten.
irgendwann habe ich in meinem religionsunterricht gelernt, dass meine freiheit dort aufhört, wo die freiheit des anderen/der anderen beginnt – klingt unendlich banal ….
was die umweltzonen betrifft ist wohl niemand so naiv zu glauben, dass sie das allheilmittel sind, aber sie sind ein anfang und ein teil. ich freue mich, dass “die” politik, mit größerem und kleinerem einsatz, trotz wahljahr diesen akzent setzt.
für mich hat politik nicht die aufgabe lieb, nett und zahnlos zu sein, weil irgendwie wird´s schon gehen, sondern die aufgabe das ganze einer gesellschaft im auge zu haben und unbequem zu sein. zugegebenermaßen vermisse ich das bei den beiden großen parteien, weil sie wahrscheinlich doch zu viele rücksichten nehmen müssen. sicher ein vorteil der grünen, die keine interessensverbände zufrieden stellen brauchen.
@concor79:
Ich wiederhole mich ungern, aber wenn man das Feinstaub-Problem lösen will wird man bei den Autos nicht weit kommen, daher IST diese Politik ja zahnlos.
Aufschlüsselung der Verursacher siehe hier: http://www.feinstaubfrei.at/down/EMIKAT95.pdf
Viel mehr haben Politiker ganz konkret Angst eine nötigen Maßnahmen zu ergreifen. Könnte ja Wählerstimmen kosten!!! Z.B. Thema Hausbrand: trifft vermehrt Pensionisten die die wichtigste aller Wählerschicht darstellen. Also nimmt man nicht die Hauptverursacher her sondern Autos.
Nur Autos machen nur einen Teil des Abschittes “Verkehr” aus, (also nicht mal die 23% sondern weit weniger) Weiters produzieren neue Autos lediglich marginal weniger Feinstaub, wirbeln aber gleich viel auf. Ist ja eh alles bekannt.
Alles in allem eine völlig sinnlose, populistische Massnahme.
Möglicherweise denken die involvierten Personen, dass ihre Legislaturperiode eh um ist bis das ruchbar wird. “HInter und die Sintflut…”
@Ralf S.
ich glaube auch nicht, dass eine einzelmaßnahme das feinstaubproblem lösen wird – aber irgendwo muss angefangen werden und das ist eben einmal ein anfang. weiters erscheint es mir auch nicht als nachteil, wenn sich weniger autos in die innenstadt wälzen.
was die wählerschicht der pensionisten angeht, sind sie meines wissens nicht gerade die grünwähler.