E-mobility – Marktetinggag oder Chance für neue Mobilität?

Der Elektromotor hat eine längere Geschichte als der Ottomotor. Es gab in den letzten 100 Jahren mehrere Versuche, dieser Antriebstechnik zum Durchbruch zu verhelfen. Am Ende hat sich das Öl immer durchgesetzt. Ein Schelm der denkt, dass das ein Zufall war;-)

Nun wird weltweit seit einigen Jahren die Elektromobilität so offensiv wie nie heraufbeschworen und allerorts Konferenzen dazu veranstaltet oder Modellregionen und Netzwerke eingerichtet. Eine der Konferenzen dieser Tage wieder in Graz. Der erste E-Mobilitäts-Hype mit überhöhten Erwartungen mündet nun in die konkrete Umsetzungsdiskussion, die endlich in der Realität ankommt.  Die Stadt und die Holding Graz sind mit einer Modellregion mit dabei und entwickeln die passenden Maßnahmen. Auch wenn einige Automobilhersteller mittlerweile Elektroautos in Serie anbieten, das Elektrofahrrad seinen Durchbruch am Markt geschafft hat, geht die Entwicklung einigen noch viel zu langsam.

Das Elektroauto war für viele Propheten die Antwort auf alle Sorgen. Die erste Vorstellung vieler Begeisteter (Männer??) war: Wir ersetzen abgasintensive, klimafeindliche und laute Autos einfach durch elektrische und die Welt ist wieder in Ordnung…

Diese einfache Rechnung geht nicht auf.  Elektromobilität erfüllt diese Heilserwartung nicht.

Mittlerweile erkennen das auch die meisten Beteiligten. So ist es doch interessant, dass nun auch  Automobilmanager, wie gestern bei der Eröffnung der Emobility Graz, davon sprechen, dass es um eine Veränderung der Mobilität an und für sich ginge. Elektromobilität böte die Chance,  das Auto und dessen Rolle im alltäglichen Leben grundsätzlich zu überdenken.

Wer sich schon länger mit Mobilität und deren gesellschaftlicher Bedeutung auseinandersetzt, wundert sich nicht, wenn nun auch die größten Technologiefreaks von politisch steuernden Rahmenbedingungen wie  Citymaut und Umweltzonen reden.  Auch von dieser Seite wird nun propagiert, dass man/frau in Zukunft ein Auto nicht mehr besitzen muss, um es sinnvoll zu nutzen. Übersetzt heißt das nichts anderes als dass ein Auto dann zum Einsatz kommt, wenn es tatsächlich notwendig ist und auf Kurzstrecken logischerweise wesentlich stärker durch effizientere und nachthaltigere Fortbewegung ersetzt wird. Dieser Ansatz würde mindestens eine Reduktion um 30 – 50% der täglichen Autofahrten in der Stadt bedeuten und damit Platz für Menschen, für sanfte Mobilität und nicht zuletzt für den Nutzverkehr (Wirtschaft/Soziale/Kommunale Versorgung…) schaffen. Wenn dieser verbleibende Verkehr dann elektrisch/schadstoffarm und vielleicht im Sinne einer optimalen Mehrfachnutzung mit  Fahrzeugen und nicht mit Stehzeugen (ein PrivatPKW steht durchschnittlich 23 h am Tag) stattfindet, umso besser.

Wir reden also nicht vom E-Auto sodern von der E-Mobilität – das macht mehr Sinn und wir landen langsam aber sicher dort, wo E-Mobilität kein Allheilsversprechen mehr darstellt, sondern sich als gutes Vehikel zum Umdenken und Verkehr neu organisieren (unter Einbindung der neuen I-Technologien…) erweist. E-Mobilität ist somit ein Ansatz neben vielen, um die Welt nachhaltiger zu gestalten. Vor dem Hintergrund der aktuellen CO2-Daten und der nachweislich miserablen Performance der österreichischen Umweltpolitik ist das immerhin ein Beitrag, der hoffentlich nicht mehr nur auf Konferenzen diskutiert wird, sondern für die Menschen auch mehr und mehr greifbar wird.

PS: In Graz gibt es schon seit Jahren gratis Parkplätze für E-Fahrzeuge. Der städtische Holding-Fuhrpark wird sukzsessive mit E-Fahrzeugen umgerüstet, es gibt Förderungen für Fuhrparkumstellungen (Taxi, Fahrschulen, Zusteller…), wobei hier noch überwiegend Hybridfahrzeuge angeschafft werden (die allerdings keine reinen E-Mobile sind sowie die Hybridbusse bei den GrazLinien, die schon im Einsatz sind) und mittlerweile sind E-Tankstellen über das Stadtgebiet verteilt. Hinzu kommen Kombiangebote für E-Räder und Bus und Bim bei den Graz Linien. Der Verleih von E-Rädern wird von mehreren Institutionen angeboten. … http://www.emobility-graz.at/

6 Kommentare zu “E-mobility – Marktetinggag oder Chance für neue Mobilität?”

  1. Ben Hemmens 26. Jan, 2012 am 18:09 #

    E-Mobility hätte eine sinnvolle Zukunft, wenn die Politik den Mut fassen würde, die Ära der Benzinmopeds für beendet zu erklären. Genau in dem Segment sind sie völlig ausgereift. Elektromopeds würden uns einiges an Abgasen und viel Lärm ersparen und könnten evtl. auch etliche Auto-km und damit auch Fläche in der Stadt ersetzen.

    Statdessen wird im Europaparlament (leider von Grünen!) überlegt, die Definition des Fahhrads (die auf EU-Ebene festgelegt ist) auszuweiten, so dass Elektofahrzeuge mit deutlich höherer Leistung und Tempo als die jetzigen Pedelecs die Rad-Infrastruktur mitbenutzen können (in Österreich: dank §68(1) StVO dazu verpflichtet wären). Und von den anderen werden e-Autos gepusht, deren Vorteile für Umwelt, Flächenverbrauch und Energieverbrauch überschaubar bleiben werden.

  2. Stefan Kompacher 28. Jan, 2012 am 10:43 #

    E-Mobilität hat zwei entscheidende Nachteile:

    1. Der erhöhte Stromverbrauch muss gedeckt werden. Ob das mit erneuerbaren Energien möglich ist? Ich sage: Nein, da muss wohl wieder Atomstrom her.

    2. Das Platzproblem in den städtischen Verkehrsräumen wird bestehen bleiben. Auch E-Autos brauchen Platz auf den Straßen und einen Parkplatz.

    Daher: Weiterhin ÖV und Radverkehr forcieren!

  3. Karl Reiter 28. Jan, 2012 am 17:25 #

    E-Mobility wird leider häufig als e-automobility missverstanden.
    Folgende e-mobility Förder – Prioritäten hielte ich für sinnvoll:
    1) Elektrischer Öffentlicher Verkehr ( inclusive Oberleitungsbusse)
    2) Elektrischer städtischer Güterverkehr
    3) Elektrisch betriebene Servicefahrzeuge der Kommune incl. Zusatzgeräte
    4) Elektrische Dienstleisterflotten (Taxis, Reparaturdienste, Post, Hauskrankenpflege etc.)
    5) Elektromopeds bei gleiczeitigem Verbot von Benzinmopeds
    6) E-Fahrräder
    Gleichzeitig Reduktion des privaten motorisierten Verkehrs auf ein Maß wie es in niederländischen oder dänischen Städten üblich ist.

    Kurz zusammengefasst könnte man auch sagen “Elektrifizierung des motorisierten Nutzfahrzeuge und verminderung des motorisirten Nichtsnutzfahrzeuge”

  4. erika 29. Jan, 2012 am 15:56 #

    Wenn man verstärkt E-Mobilität fordert, muss man sich auch die Frage nach den Ressourcen dafür gefallen lassen. –> Murkraftwerk! Bitte bedenken!!!

  5. max 03. Mrz, 2012 am 22:15 #

    http://m.spiegel.de/auto/aktuell/a-818905.html

    Die Fortschritte scheinen enorm zu sein, aber hat schon mal wer miterlebt was bei einem Kurzschluss passiert?
    Die ganze Kraft entläd sich mit einem Knall und einer Feuersprunst.

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