Umweltzone – sozial gerecht?

Regelmäßig kommt die Argumentation, dass die Umweltzonen sozial nicht gerecht seien….

Ja es ist so, dass sich Menschen die mehr Einkommen haben, immer und überall flexibler verhalten können und Umstellungen welcher Art immer für diese nicht groß ins Gewicht fallen. Auch die Umweltzone wird in diesem Zusammenhang nicht für mehr Gerechtigkeit sorgen – das ist wahr. Allerdings kann man sie so gestalten, dass die härtesten Fälle gar nicht erst eintreten. Das haben ja auch viele Deutsche Städte mit entsprechenden Ausnahmeregelungen so gemacht. Diese möglichen Ausnahmen diskutieren wir mit dem Land auch für den Fall einer steirischen Umweltzone. Welche wir wählen, das ist Gegenstand verschiedenster Gespräche – auch mit den VertreterInnen der jeweiligen Interessensgruppen.

Allerdings:  für alle wird es keine Ausnahme geben – dann wären wir wirklich bei der Unsinnigkeit der Umweltzone gelandet.

Darüber hinaus noch ein paar Hinweise auf die soziale Frage von Mobilität und  Gesundheit

  1. In Graz leben ausgerechnet in den am stärksten von Feinstaub (und auch NOx!) belasteten Gebieten (insbesondere entlang der Hauptverkehrsstraßen) „zufällig“ jene Menschen, die durchschnittlich über weniger Einkommen verfügen als andere GrazerInnen. Ist jenen Menschen die deutlich stärkere Gesundheitsbelastung auf Dauer zumutbar – ist es nicht gerade sozialpolitisch notwendig, für bessere Luftbedingungen zu sorgen?
  2. Wir wissen, dass die unterste Einkommensgruppe zum Großteil gar kein Auto besitzt (unterstes Dezil besitzt zu 60 % – im urbanen Raum oft noch mehr – kein Auto) und jeder Ausbau und die Verbesserung des Zuganges zum Öffi-Angebot und die Verstärkung der Alternativen Rad und Fuß diesen am meisten bringt. Deshalb sehe ich eine deutliche Forcierung der sanften Mobilität in Graz – wie ich sie vertrete – auch als einen sozialpolitischen Ansatz!

Eine Umweltzone alleine wird nicht viel ändern. Es geht um das Gesamte. Neben einer deutlichen Fernwärmeausbauoffensive (nach Jahren der bescheideneren Art) geht es immer auch um Verkehrspolitik: Noch nie fuhren so viele Menschen Rad wie heute in Graz. Wir verzeichnen einen spürbaren Zuwachs an Öffi-NutzerInnen und erstmals geht die Zahl der Autos/Haushalt deutlich zurück (bei uns noch deutlicher als in Wien – in anderen LHStädten steigt er im Gegenteil noch immer an!) Dass die Menschen umsteigen, braucht einerseits Angebot und andererseits etwas politischen Druck.

Dass das Auto in Österreich eine besonders geschützte Tierart ist macht die Sache nicht leichter ;-) – ob es die sozialste Form der Mobilität ist wage ich zu bezweifeln!

Wer mehr wissen will über die in ganz Europa schon umgesetzten “Low Emission Zones”: http://www.lowemissionzones.eu/

Ein Kommentar zu “Umweltzone – sozial gerecht?”

  1. Astrid 26. Okt, 2010 am 08:50 #

    Öffentliche Verkehrsmittel sind nicht sozial, denn sie kosten viel, machen viel Lärm (Variobahn), kommen zu spät, oder garnicht, und verpesten die Umwelt.
    Warum gibt es in Graz keinen O-Bus mehr. Wesentlich weniger Aufwand beim Linienbau, keine Schienen, kein Lärm, ist auch flexiebler. Ich habe dieses tolle Verkehrsmittel in der Schweiz erlebt. Solche O-Busse anstatt Straßenbahn macht eine Wohngegend mit Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel lebenswerter (auch für sozial Schwache).
    Ich persönlich verweigere öffentliche Verkehrsmittel in Graz. Das Fahrrad, zu Fuß und Auto für weitere Strecken sind billiger.
    Den sozial schwachen geht auch nicht besser wenn sie mit ihrer 15 jährigen Schrottkiste, die sie sich gerade noch leisten können, nicht mehr in Graz fahren dürfen.
    Feinstaub, hauptsächlich durch stop and go (Bremsstaub) verursacht wird in Graz ja nahezu erzwungen.
    Beispiel: Beim Center West gab es eine Verbindung vom Autobahnzubringer in die Wagner Jaureggstraße. Man konnte ohne Ampel von Liebenau nach Straßgang fahren, jetzt ist diese gute Verbindung, die flüssigen Verkehr ohne Stau ermöglichte durch einen Schranken gesperrt worden.
    Somit muss ein Autofahrer, wenn er diesen Weg fahren will an 3 Ampeln halten.
    Eine Zufahrt in das Einkauszentrum vom Norden her wird ebenfalls verweigert. Das heißt, dass alle Autofahrer die dort rein wollen, zuerst um das Einkaufszentrum herumfahren müssen.
    Liebe Frau Rücker
    Bitte erklähren Sie mir den Sinn solcher umweltunfreundlichen und bürgerunfreundlichen Verkehrskonzepte.

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